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Warum Vielfalt auf dem Teller wichtiger ist als Superfoods

«Superfood» ist kein Qualitätsmerkmal. Es ist ein Preisschild. Jeder darf das Wort benutzen. Niemand prüft es. Und das Einzige, was beim Essen wirklich verlässlich etwas bringt, lässt sich nicht in ein Glas abfüllen.

Tashi Engelhardt Von Tashi Engelhardt 31. Juli 2026 · 21:19 Uhr · 5 Min. Lesezeit
Warum Vielfalt auf dem Teller wichtiger ist als Superfoods Foto: Kevin Doran
Wer frisch würzt, bringt nebenbei mehrere Pflanzenarten auf den Teller.

Die «Verbraucherzentrale» formuliert es nüchtern. Als Superfood preisen Hersteller und Handel meist exotische Lebensmittel an. Das ist die ganze Definition. Kein Grenzwert dahinter. Keine Prüfstelle. Kein Antrag.

Was mich daran stört, ist nicht der Preis. Es ist die Denkweise. Sie unterstellt, dass sich Gesundheit an einem einzelnen Produkt entscheidet. Kauf das Richtige und der Rest regelt sich.

Der Vergleich, der die Sache erledigt

Chiasamen werben mit Protein und Omega-3. Leinsamen haben von beidem mehr. Bei den Ballaststoffen stehen sie ebenfalls nicht nach.

Goji-Beeren gelten als Vitamin-C-Wunder. Schwarze Johannisbeeren liefern ungefähr das Fünffache. Sanddorn und Hagebutte liegen noch darüber. Beide wachsen hier am Wegrand.

Mein Favorit bleibt Matcha. Ein Pulver mit eigener Preisklasse und eigener Aura. Dahinter steckt fein gemahlener Grüntee.

Was im Preis noch mitfliegt

Bei Importware kommt etwas dazu. Untersuchungen der Verbraucherzentrale zeigen mögliche Belastungen mit Pflanzenschutzmitteln oder Schwermetallen. Bei Goji-Beeren fielen wiederholt Pestizidrückstände auf.

Heimisch heißt allerdings nicht automatisch sauber. Leinsamen können Cadmium enthalten. Mehr als 20 Gramm am Tag werden deshalb nicht empfohlen. Auch das steht bei der Verbraucherzentrale. Es geht hier also nicht um eine Glaubensfrage.

Warum Vielfalt die eigentliche Antwort ist

Das «Max Rubner-Institut» hält fest, dass nicht nur die Menge zählt. Entscheidend ist auch die Vielfalt der Lebensmittel. Das klingt nach Floskel. Dahinter steckt Biologie.

Im Darm leben unterschiedliche Bakterienstämme. Jeder verwertet andere Fasern. Ein einzelnes Lebensmittel erreicht immer nur einen Ausschnitt dieser Gemeinschaft. Die Nährwerttabelle ändert daran nichts. Wer jeden Tag denselben Smoothie trinkt, füttert jeden Tag dieselben Bakterien.

Deshalb kursiert in der Mikrobiomforschung eine Faustregel. Dreißig verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche. Das klingt nach viel. Es zählt aber alles mit. Auch Kräuter und Gewürze. Wer seine Suppe mit Thymian und Kreuzkümmel würzt, hat schon zwei Einträge auf der Liste.

Die Saison erledigt die Arbeit

Der einfachste Weg zu Vielfalt ist saisonal einzukaufen. Denn dann wechselt das Angebot von allein. Im Winter stehen Kohl und Wurzelgemüse da. Im Frühjahr kommen die ersten Kräuter. Im Sommer Beeren und Tomaten. Im Herbst Kürbis und Nüsse. Über ein Jahr gerechnet landen so weit mehr als dreißig verschiedene Pflanzen auf dem Teller. Ganz ohne Liste.

Genau das ist der Punkt, an dem Vielfalt und Nachhaltigkeit zusammenfallen. Saisonale Ware braucht keine Gewächshausheizung und keine Flugstrecke. Sie ist frischer und meistens günstiger. Und sie stammt häufiger von Betrieben in der Region.

Am wirksamsten finde ich dabei eine kleine Regel. Einmal pro Woche etwas mitnehmen, das gerade Saison hat und das man noch nie gekocht hat. Pastinake im Januar. Mangold im Juni. Klingt banal. Verändert einen Einkaufszettel aber schneller als jeder Vorsatz.

Für die Hersteller bleibt dabei eine unbequeme Wahrheit. Vielfalt lässt sich nicht abfüllen. Deshalb wirbt niemand damit.

Quellen

  1. «Verbraucherzentrale — Superfood: Diese Alternativen sind gesund und günstig»
  2. «Max Rubner-Institut — Wissenschaftliche Einordnung: Ballaststoffe»
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