Standortfreigabe deaktivieren – mehr Privatsphäre mit wenigen Klicks
Dein Handy weiß, wo du gestern warst, wie lange du dort geblieben bist und wann du üblicherweise nach Hause kommst. Ein Teil dieser Daten verlässt das Gerät – und landet in einem Markt, den kaum jemand überblickt. Die gute Nachricht: Die wichtigsten Schalter sind in zehn Minuten umgelegt, ohne dass du auf Navigation oder Wetter verzichten musst.
Foto: appshunter.io
Wie real das Thema ist, zeigte sich nach mehreren Datenlecks bei Anbietern, die Standortdaten aus Apps sammeln und weiterverkaufen. Die «Landesbeauftragte für Datenschutz in Nordrhein-Westfalen» rät ausdrücklich davon ab, in einen Handel mit den eigenen Standortdaten einzuwilligen – schlicht deshalb, weil niemand absehen kann, wer diese Daten später nutzt und wofür. Standortdaten sind besonders heikel, weil sich aus ihnen Wohnort, Arbeitsplatz, Gewohnheiten und Beziehungen rekonstruieren lassen.
Die Lösung ist trotzdem nicht, alles abzuschalten. Ein Handy ohne Ortung ist unpraktisch, und die meisten von uns würden nach zwei Tagen wieder alles einschalten. Sinnvoller ist das Prinzip, das auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik vertritt: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Genau darum geht es im Folgenden – gezielt statt radikal.
Schritt eins: die App-Berechtigungen aufräumen
Der größte Hebel liegt darin, wem du den Zugriff überhaupt erlaubst. Beide Systeme bieten drei Stufen: nie, beim Verwenden der App, immer. Die Stufe «immer» braucht praktisch keine App außer vielleicht einem Fitness-Tracker, der Touren aufzeichnet. Geh die Liste einmal komplett durch – auf dem iPhone unter «Datenschutz & Sicherheit» bei den Ortungsdiensten, auf Android im Berechtigungsmanager – und setze alles auf «beim Verwenden» oder «nie». Du wirst überrascht sein, wie viele Spiele und Shopping-Apps dort stehen.
Der zweite, viel zu selten genutzte Schalter ist die Genauigkeit. Sowohl iOS als auch Android erlauben es, einer App nur den ungefähren Standort zu geben statt der exakten Position. Für eine Wetter-App, lokale Nachrichten oder Lieferdienste reicht das vollkommen – sie erfahren dann deinen Stadtteil, aber nicht deine Straße. Auf dem iPhone heißt die Einstellung «genauer Standort» und lässt sich pro App abschalten, bei Android wählst du beim Berechtigungsdialog «ungefähr».
Die Schalter, die kaum jemand kennt
Hinter den offensichtlichen Einstellungen liegen zwei Ebenen, die man leicht übersieht. Erstens der Standortverlauf: Beide Systeme führen im Hintergrund eine Chronik häufig besuchter Orte. Bei Apple findest du sie unter den Ortungsdiensten ganz unten bei den Systemdiensten unter «Wichtige Orte» – dort lässt sich der Verlauf ansehen und löschen. Bei Google steuerst du das im Konto über den Standortverlauf beziehungsweise die Zeitachse.
Zweitens die Werbe-ID. Diese Kennung verknüpft dein Verhalten über verschiedene Apps hinweg zu einem Profil – oft inklusive Standortmustern. Auf dem iPhone deaktivierst du unter «Datenschutz & Sicherheit» die personalisierte Werbung und das App-Tracking, auf Android lässt sich die Werbe-ID zurücksetzen oder ganz löschen. Ein Hinweis zur Erwartung: Weniger Werbung bekommst du dadurch nicht, sie ist nur nicht mehr auf dich zugeschnitten. Und noch ein Detail für Android: Auch bei ausgeschaltetem GPS kann das Gerät über WLAN- und Bluetooth-Scans geortet werden – diese Option findest du in den Standorteinstellungen unter «Scannen».
Fotos verraten mehr, als du denkst
Jedes Foto, das dein Handy aufnimmt, kann die exakten Koordinaten der Aufnahme enthalten. Solange die Bilder auf dem Gerät bleiben, ist das praktisch – die Karte in der Fotos-App lebt davon. Problematisch wird es beim Teilen: Wer ein Bild per Messenger oder Mail verschickt oder irgendwo hochlädt, gibt unter Umständen die Adresse mit, an der es entstanden ist. Bei Kinderfotos aus dem eigenen Garten ist das eine Information, die man selten teilen möchte.
Zwei Wege helfen. Entweder du schaltest das Geotagging in der Kamera-App gleich ab, indem du der Kamera den Standortzugriff entziehst – dann fehlt die Information von vornherein. Oder du entfernst sie beim Teilen: Auf dem iPhone erscheint im Teilen-Dialog oben der Punkt «Optionen», dort lässt sich «Ort» abschalten. Bei Android bieten die Galerie-Apps je nach Hersteller eine ähnliche Funktion, meist «Standortinformationen entfernen». Große Plattformen strippen die Daten zwar beim Upload meist selbst – verlassen würde ich mich darauf nicht.
Der Browser und was trotzdem bleibt
Auch Webseiten fragen nach dem Standort, und viele Menschen klicken das im Vorbeigehen weg. In jedem Browser lässt sich diese Berechtigung pro Seite verwalten und zurücknehmen – meist unter «Einstellungen», «Datenschutz» und dort bei den Website-Berechtigungen. Sinnvoll ist die Einstellung, bei jeder Anfrage nachzufragen, statt dauerhaft zu erlauben. Ein einmal erteiltes Ja gilt sonst unbegrenzt weiter.
Was bleibt, sollte man ehrlich dazusagen: Über die IP-Adresse ist eine grobe Verortung immer möglich, und dein Mobilfunkanbieter weiß ohnehin, in welcher Funkzelle du dich befindest – das lässt sich technisch nicht abschalten. Auch der Notruf funktioniert weiterhin mit Standortübermittlung, selbst wenn du die Ortungsdienste komplett deaktiviert hast. Es geht bei dieser Aufräumaktion also nicht um Unsichtbarkeit, sondern darum, den kommerziellen Datenfluss zu stoppen.
Zehn Minuten, zweimal im Jahr
Praktisch würde ich es so angehen: einmal die komplette Liste der Apps mit Standortzugriff durchgehen und alles auf «beim Verwenden» oder «nie» setzen, bei den verbleibenden den genauen Standort abschalten, wo es geht. Danach den Standortverlauf löschen, die Werbe-ID zurücksetzen und der Kamera den Standortzugriff entziehen. Das ist die Grundreinigung.
Der Rest ist Wartung. Jede neu installierte App fragt erneut, und bei größeren Systemupdates werden Einstellungen gelegentlich zurückgesetzt oder umbenannt. Zweimal im Jahr die Liste durchzusehen reicht völlig. Wichtiger als jede einzelne Einstellung ist ohnehin die Haltung dahinter: Bei jeder Standortabfrage kurz zu überlegen, ob die App den Standort für ihre Aufgabe wirklich braucht – oder ob sie nur fragt, weil sie gerade darf.
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