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Das Handy wird langsamer, obwohl du nichts verändert hast

Du hast keine neue App installiert. Du machst dasselbe wie vor zwei Jahren. Trotzdem dauert alles länger. Das bildest du dir nicht ein. Und in einem berühmten Fall war es sogar nachweislich beabsichtigt.

Tashi Engelhardt Von Tashi Engelhardt 31. Juli 2026 · 13:22 Uhr · 5 Min. Lesezeit Aktualisiert: 31. Juli 2026 · 17:07 Uhr
Das Handy wird langsamer, obwohl du nichts verändert hast Foto: Samuel Angor
Bei älteren Smartphones hat Apple teilweise die Leistung gedrosselt. (Symbolbild)

Ende 2017 gab Apple zu, ältere iPhones per Systemupdate gedrosselt zu haben. Betroffen waren unter anderem das iPhone 6, 6s, SE und 7. Die französische Wettbewerbsbehörde stufte das später als irreführende Geschäftspraxis ein. Laut «heise online» akzeptierte Apple eine Strafzahlung von 25 Millionen Euro und musste einen Monat lang einen Hinweis darauf auf der eigenen Webseite anzeigen.

Wichtig ist dabei die Begründung. Bestraft wurde nicht die Drosselung selbst, sondern das Schweigen darüber. Denn technisch hatte Apple einen Punkt. Der Rest dieses Textes erklärt, warum.

Der Akku ist meistens der Grund

Ein Lithium-Ionen-Akku altert chemisch. Er verliert nicht nur Kapazität, sondern auch die Fähigkeit, kurzfristig viel Strom zu liefern. Genau das braucht ein Prozessor aber im Moment der Spitzenlast. Fordert das System mehr, als der alte Akku hergeben kann, schaltet sich das Gerät schlagartig aus.

Die Lösung der Hersteller ist deshalb naheliegend. Sie bremsen die Spitzen. Das Gerät wird langsamer und stürzt dafür nicht ab. Bei Apple ist diese Drosselung heute sichtbar und abschaltbar, und der Akkuzustand lässt sich in den Einstellungen ablesen. Wer unter achtzig Prozent liegt, hat den wahrscheinlichsten Grund gefunden. Ein Akkutausch kostet je nach Modell fünfzig bis hundert Euro und macht aus einem müden Gerät oft wieder ein normales.

Die Software wächst, die Hardware nicht

Der zweite Grund ist unspektakulärer und langfristig der größere. Dein Handy wird nicht langsamer. Die Software wird schwerer. Jede App bekommt mit jedem Update mehr Funktionen, größere Bilder und mehr Hintergrundprozesse. Das Betriebssystem ebenfalls.

Die Hardware in deiner Hand bleibt dagegen exakt die von damals. Ein Gerät aus 2021 muss heute Software ausführen, die für Geräte aus 2026 geschrieben wurde. Niemand hat dabei etwas gegen dich unternommen. Es ist einfach eine Schere, die sich mit jedem Jahr weiter öffnet.

Der volle Speicher

Der dritte Grund wird fast immer übersehen. Flash-Speicher braucht freie Blöcke, um Daten zu verteilen und zu verwalten. Läuft er zu voll, muss das System bei jedem Schreibvorgang erst umräumen. Das kostet spürbar Zeit.

Als Faustregel würde ich mindestens fünfzehn Prozent des Speichers frei halten. Bei einem 128-Gigabyte-Gerät sind das rund zwanzig Gigabyte. Der größte Posten sind bei den meisten Menschen Fotos und Videos. Wer sie auslagert, merkt den Unterschied oft am selben Tag.

Was nichts bringt

Ein Wort zu den Aufräum-Apps. Booster, Cleaner, Speicheroptimierer. Die meisten davon leisten nichts, was das Betriebssystem nicht ohnehin selbst tut. Manche verschlechtern die Lage sogar.

Das gilt besonders für das ständige Wegwischen laufender Apps. Ein modernes System hält Apps absichtlich im Speicher, weil das Wiederaufrufen dann schneller geht. Wer sie alle schließt, erzwingt einen kompletten Neustart der App beim nächsten Öffnen. Das kostet Zeit und Akku.

Zwanzig Minuten, die tatsächlich helfen

Zuerst den Akkuzustand nachsehen. Bei iPhones steht er unter den Batterieeinstellungen, bei Android je nach Hersteller in den Geräteinformationen oder in einer Diagnose-App. Liegt der Wert deutlich unter achtzig Prozent, ist der Akkutausch die wirksamste Einzelmaßnahme überhaupt.

Danach den Speicher aufräumen und Fotos auslagern. Dann in den Einstellungen die Hintergrundaktualisierung für alle Apps abschalten, die sie nicht wirklich brauchen. Und wer es ganz genau wissen will, sichert alles und setzt das Gerät einmal zurück. Das ist der einzige Weg, um jahrelang angesammelte Reste tatsächlich loszuwerden. Danach ist wieder Ruhe. Für eine Weile jedenfalls.

Quellen

  1. «heise online — Heimliche iPhone-Drosselung: Apple akzeptiert Strafzahlung in Frankreich»
  2. «SWI swissinfo.ch — Apple wegen iPhone-Drosselung im Visier der Justiz»
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