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Wie der «Club der Visionäre» Lärm und Feuer überstand

An der Spree gibt es diesen Ort, an dem sich Berlin für einen Moment anders anfühlt. Wasser, Holz, Musik und Menschen sitzen dicht beieinander. Der «Club der Visionäre» ist kein klassischer Club – und vielleicht ist genau das sein Reiz.

Von Tashi Engelhardt 9. August 2026 · 20:50 Uhr · 5 Min. Lesezeit Aktualisiert: 29. August 2026 · 12:57 Uhr
Wie der «Club der Visionäre» Lärm und Feuer überstand Foto: Rubén Vique (CC BY 2.0)
2010 im Club der Visionäre. Trotz Fotoverbot hat es dieses Bild ins Internet geschafft.

Seit 2001 gehört der Club zum Berliner Nachtleben. Hier wird Techno gehört, getanzt, geredet und nebenbei Pizza gegessen. Vieles wirkt bewusst unkompliziert. Man sitzt am Wasser und vergisst schnell, dass man eigentlich mitten in einer Großstadt ist. Doch genau diese besondere Lage wurde irgendwann zum Problem.

Lärm gehört zum Club – aber nicht für alle

Mit den Jahren häuften sich Beschwerden aus der Nachbarschaft. Musik am Wasser lässt sich schließlich nicht einfach an einer Tür stoppen. Der Club stand damit vor einer schwierigen Frage: Wie kann dieser Ort bleiben, ohne für die Anwohner zur Belastung zu werden? Die Antwort war ungewöhnlich.

Gemeinsam mit der Berliner Lautsprechermanufaktur Kirsch Audio wurde eine spezielle Schallschutzanlage entwickelt. Die Technik arbeitet mit gezielt ausgerichteten Lautsprechern auf der Land- und Wasserseite. Ihre Schallwellen werden so gesteuert, dass sich bestimmte Frequenzen gegenseitig auslöschen. Ein zusätzliches Horn auf dem Dach richtet den Schall von den Wohnhäusern weg, damit die Nachbarn nichts mitbekommen.

Dann kam das Feuer

Als wäre der Streit um den Lärm nicht schon Herausforderung genug gewesen, brannte es am 15. Juni 2019 im Außenbereich des Clubs. Rund 70 Feuerwehrleute waren damals im Einsatz. Ein großer Teil des oberen Holzbereichs wurde beschädigt. Der Club hätte danach leicht Geschichte sein können.

War er aber nicht. Während am ursprünglichen Ort gearbeitet wurde, wich das Programm zeitweise in die benachbarte Hoppetosse aus. Der Betrieb ging weiter, während der Club wieder aufgebaut wurde. Heute erinnert dort kaum noch etwas an die Nacht des Brandes.

Was vom Club bleibt

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich den Club der Visionäre so interessant finde. Nicht, weil dort seit 2001 alles unverändert geblieben ist. Sondern weil dieser Ort mehrfach gezwungen war, sich zu verändern. Er musste mit seiner Nachbarschaft klarkommen. Er musste eine technische Lösung für den Lärm finden. Und er musste nach einem Brand wieder aufstehen.Die Anlage von Kirsch Audio erzählt viel über den Club: Hier wurde nicht einfach versucht, die Musik leiser zu drehen. Es wurde nach einer Lösung gesucht, die den Ort als Club erhalten kann. Wenn am Wasser sitzt, Musik hört und die Lichter auf dem Flutgraben sieht, denkt man über all das eigentlich nicht nach. Vielleicht ist genau das der schönste Beweis dafür, dass es funktioniert. Der Club der Visionäre ist geblieben. Nicht exakt so, wie er einmal war - aber mit dem gleichen Gefühl, wegen dem man gerne wiederkommt.

Quellen

  1. «Schallschutzfonds Berlin: Club der Visionäre – Schallschutzmaßnahmen und Soundsystem von Kirsch Audio»
  2. «DIE ZEIT (2019): Großbrand im Club der Visionäre – 70 Einsatzkräfte bei Feuer in Berliner Technoclub»
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