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Wie heiß darf Öl werden? Die überraschende Wahrheit

Beim Ölkauf schauen viele zuerst auf eine Zahl: den Rauchpunkt. Er findet sich auf Etiketten, in Ratgebern und wird selbst in Kochsendungen gern als wichtige Orientierung genannt. Doch was sagt diese Zahl eigentlich wirklich aus? Und hält sie, was sie verspricht?

Von Tashi Engelhardt 11. August 2026 · 06:34 Uhr · 5 Min. Lesezeit
Beim Genuss zählt nicht nur, was auf dem Tisch steht – sondern auch, was vorher passiert. Foto: Juan Gomez
Beim Genuss zählt nicht nur, was auf dem Tisch steht – sondern auch, was vorher passiert.

Der Rauchpunkt ist die Temperatur, ab der über der Pfanne sichtbarer Rauch aufsteigt. Was dabei verdampft, sind flüchtige Bestandteile — nicht das Fett selbst. Das Max Rubner-Institut stellt ausdrücklich klar, dass der Rauchpunkt noch nicht den Beginn der Zersetzung markiert.

Wie stabil ein Öl unter Hitze tatsächlich ist, hängt an etwas anderem: an der Zusammensetzung der Fettsäuren und am Gehalt an schützenden Pflanzenstoffen. Ein Öl mit hohem Rauchpunkt, aber ungünstigem Fettsäureprofil kann schneller kaputtgehen als eines mit niedrigerem Wert.

Der Olivenöl-Irrtum

Kaum ein Küchenmythos hält sich so hartnäckig wie der, natives Olivenöl dürfe nicht in die Pfanne. Tatsächlich liegt sein Rauchpunkt zwischen 180 und rund 200 Grad, und die Verbraucherzentrale Bayern hält es zum Garen, Rösten und sogar Frittieren für geeignet, solange 180 Grad nicht überschritten werden.

Der Grund liegt in der Ölsäure, einer einfach ungesättigten Fettsäure, die deutlich hitzestabiler ist als mehrfach ungesättigte. Dazu kommen Polyphenole, die als Oxidationsschutz wirken. Ein hochwertiges Olivenöl mit niedrigem Säuregehalt hält Hitze deshalb besser aus als manches Öl, dessen Etikett eine höhere Zahl verspricht.

Warum Kokosfett und Ghee stabil sind

Beide vertragen Hitze sehr gut, und der Grund dafür ist eindeutig: ihr hoher Anteil an gesättigten Fettsäuren. Gesättigte Fettsäuren haben keine Doppelbindungen, an denen Sauerstoff angreifen kann. Chemisch passiert bei ihnen schlicht weniger.

Genau hier liegt aber der Haken, den man in Empfehlungen selten liest. Was diese Fette hitzestabil macht, ist dasselbe, was Ernährungsfachgesellschaften an ihnen kritisch sehen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, dass höchstens ein Drittel des täglich verzehrten Fetts aus gesättigten Fettsäuren stammen sollte.

Damit sind Kokosfett und Butterschmalz nicht falsch — aber sie sind auch keine Verbesserung, sondern ein Tausch. Man bekommt Hitzestabilität und zahlt mit dem Fettsäureprofil. Die «Stiftung Warentest» formuliert es entsprechend zurückhaltend: Gegen gelegentliche Verwendung spricht nichts.

Was nie in die Pfanne gehört

Eindeutig ist die Lage bei den empfindlichen Ölen. Lein-, Walnuss-, Kürbiskern- und Hanföl sind reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und zerfallen unter Hitze am schnellsten. Sie gehören auf den Salat oder über das fertige Gericht, nicht in die heiße Pfanne.

Sonnenblumenöl ist ein Sonderfall. Es hält Hitze passabel aus, bringt aber ein ungünstiges Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren mit. Wer es zum Braten nutzen möchte, greift besser zu den High-Oleic-Varianten, die aus ölsäurereichen Züchtungen stammen.

Kalt gepresst ist nicht automatisch besser

Ein weiterer verbreiteter Irrtum betrifft die Herstellung. Kalt gepresste und raffinierte Öle unterscheiden sich laut Stiftung Warentest vor allem geschmacklich, nicht in der Fettsäurezusammensetzung — ernährungsphysiologisch sind sie vergleichbar.

Der Unterschied liegt bei den sekundären Pflanzenstoffen. Kalt gepresste Öle enthalten mehr Polyphenole, und die tragen beim Olivenöl zum Schutz der Blutfette bei. Für die Pfanne heißt das: Raffiniert ist nicht schlechter, sondern nur anders.

Die Regeln, die im Alltag zählen

Praktisch lässt sich das auf wenige Punkte bringen. Wie «foodwatch» zusammenfasst, sollten Fette generell nicht zu hoch erhitzt werden, da sich ab etwa 200 Grad gesundheitsschädliche Stoffe bilden können. Höhere Temperaturen bringen ohnehin nichts, denn schneller gar wird das Essen dadurch nicht.

Die beste Faustregel braucht kein Thermometer. Fängt das Öl an zu rauchen, war es zu heiß — dann gehört es weg und nicht zurück auf den Herd. Und wer ohnehin selten frittiert, sondern meist bei mittlerer Hitze brät, kommt mit einem guten Olivenöl für fast alles aus.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder ernährungstherapeutische Beratung.

Quellen

  1. «Stiftung Warentest — Fragen zu Speiseöl: Öl ist nicht gleich Öl»
  2. «foodwatch — Welche Öle eignen sich zum Dünsten, Braten und Frittieren?»
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